(16.03.2009)
Warum verhält sich der Factor beim Ohren Anlegen unruhig, und was kann der Pilot dagegen machen?

Legt man beim FACTOR, durch Herunterziehen der äußersten A-Stammleine, die Ohren an, so neigt der Schirm bei zu starkem Zug zum Schlagen mit den Außenflügeln. Dies ist zwar natürlich  ungefährlich, dennoch ist dieses Verhalten störend, um effizient und entspannt Höhe abzubauen. Deshalb empfehlen wir, dieses Manöver beim FACTOR mit beiden äußeren A-Stammleinen durchzuführen. Die Ohren bleiben dann ruhig, und darüber hinaus stellen sich deutlich größere Sinkwerte ein, als wenn nur eine Stammleine verwendet wird. Das Manöver ist auf diese Weise also sehr effektiv und angenehm zu fliegen.

Bei der Einleitung der "Big Ears" sollten die beiden äußeren Stammleinen mit etwas Gefühl heruntergezogen werden. Bei zu impulsivem Herunterziehen riskiert man einen (kleinen) Frontstall. Aus dem selben Grund sollte das Manöver auch nicht voll beschleunigt eingeleitet werden, sondern es sollte erst beschleunigt werden, wenn die Ohren schon angelegt sind. (Dies keine Eigenart des FACTOR, sondern soll als allgemein gültiger flugtechnischer Hinweis zu "Big Ears" verstanden werden.)

Der Grund für das Schlagen der Ohren beim weiten Herunterziehen der äußeren A-Stammleine ist nicht zuletzt in der Grundauslegung des FACTOR zu suchen: Der Außenflügel des Schirms klappt kaum ein und wenn er doch einklappt, erfolgt die Wiederöffnung sehr schnell. (egal ob beim einseitigen Klapper, oder beim Frontstall) Dieses Verhalten bringt in turbulenten Verhältnissen Sicherheit, macht sich aber beim Ohren Anlegen unangenehm bemerkbar, da auch dort der Außenflügel möglichst schnell wieder öffnen will.

(25.03.2009)
Ich habe gehört, dass der Factor im Klassenvergleich nicht den höchsten Trimmspeed hat. Stimmt das?
Wir haben uns während der Entwicklung des FACTOR aktuelle Hochleister angeschaut, bzw. ihre Stärken analysiert und auch selbst einige Überlegungen und Versuche durchgeführt, um die bestmögliche Grundgeschwindigkeit zu bestimmen. Für die bestmögliche Steigleistung in der Thermik hat sich eine nicht zu hohe Grundgeschwindigkeit als ideal erwiesen. Nicht zuletzt durch die äußerst agile Handlingcharakteristik kann der FACTOR so seine Stärken beim Kurbeln voll ausspielen. Und in der Streckenflugpraxis ist "schnell steigen" ebenso wichtig, wie "schnell und gut gleiten".

Ein guter Schirm muss beides können, weshalb wir beim FACTOR großen Aufwand für die Optimierung des beschleunigten Fluges betrieben haben. Hier lag der Fokus nicht darauf, jedes mögliche km/h Topspeed aus dem Konzept herauszuholen. Wir wollten primär einen Flügel mit maximaler Stabilität und hervorragender Gleitleistung im beschleunigten Flug, bei einem Klapperverhalten, das einem nicht die Lust am Gasgeben nimmt.

Diese drei Eigenschaften sind entscheidend im Streckenflugalltag, wenn es darum geht, auch in turbulenter Luft möglichst schnell Distanz zurückzulegen. Und hier kann der FACTOR brillieren: Bis 2/3 Gas verliert er nur sehr wenig an Gleitleistung, und bei guten Bedingungen macht auch Vollgas Sinn und ist vor allem angenehm erfliegbar, da der Schirm auch bei Topspeed seine herausragende Stabilität behält.

Zur Einordnung der Aussagen über die Geschwindigkeit: Die Unterschiede bei Trimspeed und Topspeed bewegen unter den Topgeräten dieser Schirmklasse (bei gleicher Flächenbelastung) im Bereich von 1-2km/h, also nicht weltbewegend. Viele Piloten suchen aber generell einen Schirm mit möglichst großer Trimgeschwindigkeit und berücksichtigen dabei nicht, dass sie dadurch im Steigen evtl. Nachteile in Kauf nehmen müssen, und dass wirklich schnelles Vorankommen ohnehin nur über einen konsequenten Einsatz des Beschleunigers führt.

Beim FACTOR haben wir darum versucht, ein möglichst gutes Steigverhalten bei agilem Handling und nicht zu großer Trimgeschwindigkeit mit einem leichtgängigen und effizienten Beschleunigungssystem zu kombinieren. Wir sind davon überzeugt, dass uns das hervorragend gelungen ist.